Blog

Lebensmittel im Kühlschrank nicht vergessen

Lebensmittel im Kühlschrank werden seltener vergessen, wenn alles, was bald verbraucht werden sollte, sichtbar an einem festen Platz steht. Dazu kommen eine einfache Rotation, die richtige Lagerzone, gut lesbare Datumsangaben und bei Bedarf eine Erinnerung.

Das ist keine Kleinigkeit: Laut Umweltbundesamt fielen im Jahr 2023 in Deutschland insgesamt 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle entlang der Versorgungskette an. Rund 58 Prozent davon, also 6,3 Millionen Tonnen, entstanden in privaten Haushalten. Das entspricht etwa 74,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Die Zahlen und behördlichen Empfehlungen in diesem Beitrag beziehen sich auf Deutschland. Für die konkrete Einteilung des Kühlschranks gelten zusätzlich die Hinweise des Geräteherstellers.

Die fünf Tipps im Überblick

Tipp Das Problem dahinter Der konkrete Handgriff
Eine Zone für „zuerst verbrauchen“ Bald fällige Lebensmittel liegen verstreut Eine gut sichtbare Ablage oder Schale reservieren
Nach Datum sortieren Neue Einkäufe verdecken ältere Produkte Kürzer Haltbares nach vorn, neue Einkäufe nach hinten
Kältezonen beachten Am falschen Platz verdirbt Empfindliches schneller Fleisch und Fisch an die kälteste Stelle, Eier nicht in die Tür
Datumsangaben sichtbar machen Das Datum steht hinten oder unter der Packung Verpackungen passend drehen, Speisereste beschriften
Rechtzeitig erinnern lassen Ein Datum gerät im Alltag leicht aus dem Blick Vor dem Erreichen des Datums eine Erinnerung setzen

1. Eine Zone für „zuerst verbrauchen“

Der erste Schritt ist ein fester Ort, auf den man vor dem Kochen automatisch schaut.

Reservieren Sie eine gut sichtbare Ablage, einen Behälter oder eine kleine Schale für alles, was bald verbraucht werden sollte. So müssen Sie nicht jedes Mal den gesamten Kühlschrank durchsuchen, bevor Sie eine Mahlzeit planen.

Auch das Bundesportal „Zu gut für die Tonne!“ setzt auf dieses Prinzip und bietet dafür „Iss mich zuerst!“-Etiketten an. Entscheidend ist weniger die Form des Behälters als die eindeutige Botschaft: Das hier kommt als Nächstes dran.

Die Zone sollte überschaubar bleiben. Wird sie zum Sammelplatz für alles Mögliche, verliert sie ihren Zweck.

2. Nach Datum sortieren, nicht nur nach Warengruppe

Joghurt zu Joghurt zu stellen erleichtert das Finden, sagt aber noch nichts darüber aus, welcher Becher zuerst verbraucht werden sollte.

Deshalb gilt beim Einräumen: Kürzer Haltbares kommt nach vorn, neue oder länger haltbare Einkäufe nach hinten. Genau diese Rotation empfiehlt auch das BZfE. Entscheidend ist der Handgriff direkt nach dem Einkauf. Steht die neue Packung erst einmal vor der älteren, gerät die ältere leicht aus dem Blick.

Dabei muss klar sein, welches Datum auf der Verpackung steht. Das Mindesthaltbarkeitsdatum bezieht sich auf die Qualität eines ungeöffneten, richtig gelagerten Lebensmittels. Das Verbrauchsdatum kennzeichnet dagegen sehr leicht verderbliche Lebensmittel und ist eine Sicherheitsgrenze. Mehr dazu steht in unserem Beitrag MHD oder Verbrauchsdatum: der Unterschied.

3. Die Kältezonen richtig nutzen

Ein Kühlschrank ist nicht überall gleich kalt. Bei den meisten Geräten liegt die kälteste Stelle auf der untersten Ablage über dem Gemüsefach. Die Tür ist dagegen der wärmste Bereich.

Das BZfE empfiehlt folgende Einteilung:

  • Unterste Ablage über dem Gemüsefach: Fleisch und Fisch.
  • Ablagen darüber: Milch und Milchprodukte, Käse, Wurst, gekühlte vegetarische oder vegane Produkte sowie zubereitete Speisen.
  • Gemüsefach: Obst und Gemüse, die für die Kühlschranklagerung geeignet sind.
  • Kühlschranktür: Butter, Margarine, angebrochene Getränke, Soßen und Tuben. Milch und Pflanzendrinks nur ausnahmsweise, wenn sie sehr bald verbraucht werden.
  • Eier: in den mittleren Bereich. Dort halten sie sich laut BZfE länger als im Eierfach der Tür.

Auch die Temperatur lässt sich offiziell beziffern. Das BfR empfiehlt für den Kühlschrank höchstens 7 °C, besser weniger als 5 °C. Kontrollieren Sie die Temperatur mit einem Kühlschrankthermometer an verschiedenen Stellen. Bei Geräten mit Umluft, Frischefach oder besonderer Zonenaufteilung sind die Herstellerangaben entscheidend.

4. Datumsangaben auf einen Blick lesbar machen

Oft steht das Datum auf der Rückseite, am Rand des Deckels oder unter der Packung. Drehen Sie Lebensmittel deshalb beim Einräumen so, dass sich das Datum ohne Herausnehmen ablesen lässt.

Äußere Sammelverpackungen können Sie entfernen, wenn jedes einzelne Produkt sein eigenes Datum trägt. Fehlt die Angabe auf den Einzelpackungen, bleibt die Verpackung zusammen mit den Lebensmitteln im Kühlschrank.

Bei angebrochenen Lebensmitteln gilt das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr. Es bezieht sich laut Verbraucherzentrale nur auf die ungeöffnete Verpackung. Beachten Sie nach dem Öffnen deshalb die Lager- und Verbrauchshinweise des Herstellers.

Gegarte Speisereste sollten abgedeckt oder in einem geschlossenen Behälter gekühlt werden. Schreiben Sie Inhalt und Kochdatum darauf. Das BfR empfiehlt, solche Reste innerhalb von zwei bis drei Tagen zu verbrauchen.

5. Rechtzeitig an das Datum erinnern lassen

Die ersten vier Tipps machen den Kühlschrank übersichtlicher. Sie lösen aber nicht jedes Problem: Auch ein gut eingeräumtes Lebensmittel kann im Alltag aus dem Blick geraten.

Dabei hilft eine App wie Haltbar Bis. Sie scannen den Barcode, erfassen das Datum einmal und erhalten rechtzeitig eine Erinnerung. So können Sie das Lebensmittel noch einplanen, weiterverarbeiten oder gegebenenfalls einfrieren, statt es erst wiederzuentdecken, wenn es zu spät ist.

Der Vorteil liegt auch darin, Unsicherheit zu vermeiden. Wenn Datum, Öffnungszeitpunkt und Lagerung bekannt sind, lässt sich besser entscheiden, was noch verwendet werden kann.

Was diese Tipps nicht ersetzen

Auch der bestorganisierte Kühlschrank macht Lebensmittel nicht unbegrenzt haltbar.

Ein überschrittenes Verbrauchsdatum ist kein Fall für den Sinnescheck. Das BfR rät, das Lebensmittel danach nicht mehr zu verzehren, weil eine Gesundheitsgefahr nicht ausgeschlossen werden kann. Beim Mindesthaltbarkeitsdatum geht es dagegen um die zugesicherte Qualität. Ein ungeöffnetes und richtig gelagertes Produkt ist nach Ablauf des MHD nicht automatisch verdorben.

Für kleine Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem können Lebensmittelinfektionen besonders gefährlich sein. Das BfR empfiehlt für diese Gruppen zusätzliche Vorsicht bei Auswahl, Lagerung und Zubereitung. Wurde die Kühlkette unterbrochen oder ist eine Verpackung beschädigt oder aufgebläht, reicht ein unauffälliges Aussehen nicht als Entwarnung.

Ein häufiger und oft falsch eingeschätzter Fall ist Joghurt: Joghurt abgelaufen: noch essbar?

Das Wichtigste in Kürze

Vergessene Lebensmittel sind ein Problem der Sichtbarkeit, nicht der Disziplin.

  • Sichtbar machen: eine kleine, bewusst begrenzte Zone für alles, was bald verbraucht werden sollte, bündelt die Entscheidung an einem Ort.
  • Beim Einräumen rotieren: kürzer Haltbares nach vorn, neue Einkäufe nach hinten.
  • Kältezonen nutzen: Fleisch und Fisch an die kälteste Stelle, Eier in den mittleren Bereich, und nur wenig kältebedürftige Lebensmittel in die Tür.
  • Datumsangaben zeigen: Verpackungen so drehen, dass das Datum lesbar bleibt, und Speisereste mit dem Kochdatum beschriften.
  • Rechtzeitig erinnern lassen: eine Erinnerung vor Ablauf löst, was Ordnung nicht lösen kann, nämlich das Gedächtnis.
  • Der Hebel liegt im Haushalt: 58 Prozent der 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle entstehen dort, etwa 74,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Quellen

Häufige Fragen

Wie kann ich vermeiden, Lebensmittel im Kühlschrank zu vergessen?

Verlassen Sie sich nicht allein auf Ihr Gedächtnis: Richten Sie eine gut sichtbare Zone für Lebensmittel ein, die zuerst verbraucht werden sollen, stellen Sie kürzer Haltbares nach vorn, beachten Sie die Kältezonen, machen Sie Datumsangaben auf einen Blick lesbar und nutzen Sie bei Bedarf Erinnerungen.

Welches Lebensmittel gehört in welches Kühlschrankfach?

Bei den meisten Kühlschränken ist die unterste Ablage über dem Gemüsefach am kältesten. Dorthin gehören Fleisch und Fisch. Milchprodukte, Käse und zubereitete Speisen lagern auf den Ablagen darüber, kühlschranktaugliches Obst und Gemüse im Gemüsefach. In die wärmere Tür gehören vor allem Butter, Margarine, angebrochene Getränke, Soßen und Tuben. Eier empfiehlt das BZfE im mittleren Bereich, nicht im Eierfach der Tür.

Gehören Eier in die Kühlschranktür?

Nach der aktuellen Empfehlung des BZfE nicht. Eier halten sich im mittleren Bereich länger, weil es dort kälter ist als im Eierfach der Tür.

Welche Temperatur sollte ein Kühlschrank haben?

Das BfR empfiehlt höchstens 7 °C, besser weniger als 5 °C. Da die Temperatur im Gerät nicht überall gleich ist, sollte sie mit einem Kühlschrankthermometer an verschiedenen Stellen kontrolliert werden.

Wie viele Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen?

Im Jahr 2023 fielen laut Umweltbundesamt entlang der deutschen Lebensmittelversorgungskette insgesamt 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Rund 58 Prozent davon, 6,3 Millionen Tonnen, entstanden in privaten Haushalten. Das entspricht etwa 74,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Sollen neue Einkäufe nach vorn oder nach hinten?

Nach hinten. Nach vorn kommt, was früher verbraucht werden sollte. Das BZfE empfiehlt, länger haltbare Lebensmittel hinten und bald zu verbrauchende Lebensmittel vorn einzuordnen.

Was ist mit angebrochenen Lebensmitteln und Speiseresten?

Nach dem Öffnen gilt das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr, weil es sich auf die ungeöffnete Verpackung bezieht. Beachten Sie deshalb die Hinweise des Herstellers. Gegarte Speisereste sollten abgedeckt, mit dem Kochdatum beschriftet und laut BfR innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden.

Wozu eine App, wenn der Kühlschrank gut sortiert ist?

Ordnung macht Lebensmittel sichtbar, erinnert aber nicht an ein bevorstehendes Datum. Eine App kann rechtzeitig darauf hinweisen, solange sich das Lebensmittel noch einplanen oder verwerten lässt.